2020 war ein Jahr wie es bisher wohl noch niemand von uns erlebt hat. Die Corona Pandemie hat jeden Bereich unseres Lebens beeinflusst, egal ob privat oder beruflich. In unserer Best Practice nächste Woche schauen wir, welche Auswirkungen die Pandemie speziell im Innovationsbereich hatte. Dazu lädt unser wissenschaftliches Mitglied IPEK virtuell zu sich und präsentiert die Ergebnisse einer aktuellen Studie. Außerdem nimmt uns das IPEK mit auf eine virtuelle Führung durch das Institut. Wir haben Jonas Heimicke, Mitarbeiter am IPEK, ein paar Fragen gestellt, damit ihr das IPEK vorab näher kennlernen könnt.

IPEK – Das Institut für Produktentwicklung am KIT

Jonas, erzähl uns doch etwas mehr über das IPEK, in welchen Bereichen wird bei euch genau geforscht?

Wir sind ca. 70 – 90 Mitarbeiter – ein Promotionsprozess dauert 5 Jahre, weswegen die Zahlen variabel sind. Inhaltlich strukturieren wir die Forschung an der KaSPro – Karlsruher Schule für Produktentwicklung in 10 Forschungsfelder. Diese sind im Detail auf unserer Institutsseite zu finden, im Groben treiben wir systemseitig die Forschung rund um das Antriebssystem sowie im Bereich der Powertools voran. Zudem erforschen wir Methoden und Prozesse in der Produktentstehung, um Entwickler*Innen bei den zukünftigen Herausforderungen im Produktentstehungsprozess zu unterstützen. Dabei treiben wir das Entwicklungsparadigma des Advanced Systems Engineerings mit unseren Methoden voran, also die Entwicklung intelligenter aber hochkomplexer Mechatronischer Systeme durch Denk- und Handlungsweisen des Systems Engineerings in Kombination mit Methoden aus den Fachdisziplinen, gepaart mit Kreativität und insbesondere auch Agilität.

Ihr habt in diesem Jahr genauer untersucht, wie sich Corona auf die verschiedenen Unternehmensbereiche auswirkt. Wie habt ihr die Studie aufgebaut, um was geht es genau?

Als Forscher schauen wir natürlich immer zunächst in die Literatur. Und da gab es tatsächlich bereits viel bezüglich Corona, wie es sich ausbreitet, welche Maßnahmen helfen etc. Man muss ja sagen, dass Virologie für uns Ingenieur*Innen nicht das tägliche Brot ist. Aber wir konnten schnell ein ausreichendes Verständnis aufbauen, um die Auswirkungen in Bezug auf das globale aber insbesondere das nationale Wertschöpfungsnetz zu modellieren.
Auf der Basis haben wir dann in den nationalen Wertschöpfungsnetzwerken Kausalketten bilden können, die dann ziemlich genau zeigen konnten, welche Corona-bedingten Maßnahmen, welche Wirkungen im Wertschöpfungsnetz und dann insbesondere auch für die Unternehmen nach sich zogen. Home-Office ist da natürlich die offensichtlichste aber nur eine von vielen.
Den identifizierten Kausalketten haben wir dann unsere Methodenportfolio gegenübergestellt, das sich unter anderem aus Methoden zur agilen sowie standortverteilten Produktentwicklung bedient. Mit unseren Methoden wollen wir individuell Abhilfe schaffen.

Die Erkenntnisse von Kausalketten bis hin zu unterstützenden Methoden haben wir dann noch mittels Experteninterviews evaluiert – haben also geprüft, ob unsere Annahmen stimmten. Zudem konnten wir auch noch Erkenntnisse von renommierten internationalen Produktentwicklungsprofessor*Innen in unsere Analyse integrieren, die wir bei einem Workshop zu diesem Thema beobachten durften.

Zuletzt haben wir Auszüge unseres Maßnahmenkatalogs in Online-Seminaren validiert und sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen.

Die aktuelle zweite Welle nutzen wir zur Evaluation unserer Methoden, was uns die Chance bietet, aus Corona für eine hochvernetzte globalisierte Welt zu lernen.

Warum ist deiner Meinung nach „Innovativ sein“ so wichtig in Zeiten von Corona?

Weil wir nur durch Fortschritt im internationalen Vergleich mithalten können. Innovativ sein heißt aber nicht, jedem technischen Trend blind hinterher zu rennen, oder ängstlich ins Silicon Valley zu blicken und künstliche Kulturen in unseren Unternehmen zu schaffen. Wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen und die richtige Methodik an der Hand haben, brauchen wir uns nicht verstecken – Unternehmen dabei individuell zu unterstützen ist das, was uns als IPEK antreibt.

Die Teilnehmer erhalten während der Best Practice eine virtuellen Führung durch Prüfstände des Institutes? Was hat es damit auf sich?

Validierung – also der Nachweis darüber, dass das entwickelte System für den jeweiligen Anwendungsfall das richtige ist – ist die zentrale Aktivität im Produktentstehungsprozess. Wir haben am IPEK eine sehr gut ausgestattete Validierungsumgebung in den Bereichen Antriebssysteme, Powertools und Usability. Wir möchten in unserer virtuellen Führung einen kleinen Einblick darüber geben, wie wir Validierung verstehen, technisch realisieren und in der Produktentwicklung kontinuierlich und integriert mitgestalten.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Was heißt Innovation für dich?

Innovation ist für mich die erfolgreiche Einführung einer Neuerung in den Markt. Nicht einfach nur eine Neuerung. Der Begriff klingt natürlich immer gut und wird daher leider oftmals für Marketingzwecke missbraucht. Das wirft teilweise ein falsches Licht auf die Unternehmen, die wirklich Innovation machen.

Vielen Dank Jonas, dass du dir die Zeit für die Fragen genommen hast. Ich bin schon sehr auf weitere Einblicke in eure Forschung und das Institut bei unserer kommenden Best Practice gespannt. 

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