Ein Interview mit unserem Keyspeaker René Rohrbeck ?

Wissenschaftliche Keynote mit René Rohrbeck

Die Jahrestagung 2020 zum Thema Foresight steht kurz bevor. Wie in den vorherigen Jahren wird es auch in diesem Oktober eine wissenschaftliche Keynote geben. Hierf√ľr konnten wir Prof. Dr. Ren√© Rohrbeck¬†gewinnen, welchen wir euch in diesem kurzen Beitrag gerne vorstellen wollen.

Das Interview mit René Rohrbeck

Prof. Dr. Ren√© Rohrbeck ist ein bekannter Vordenker und Gestalter des Forschungsgebietes Foresight. Er arbeitet als Professor f√ľr u.a. Strategie- und Innovationsmanagement an der EDHEC Business School in Lille und leitet zudem den Lehrstuhl f√ľr Foresight, Innovation & Transformation. Wir haben ihm ein paar Fragen gestellt und seine Antworten f√ľr euch hier dokumentiert:

Ren√©, du bist seit etwa einem Jahr Professor an der EDHEC Business School in Lille f√ľr Foresight, Innovationsmanagement und Strategic Management. Wie kam es dazu?

Ich habe mich an der Aarhus BSS immer sehr wohl gef√ľhlt und bleibe mit meiner d√§nischen Forschungsgruppe auch weiter mit einer Teilzeitprofessur verbunden. Als das Angebot der EDHEC mich erreichte, habe ich aber auch nicht lange gez√∂gert „ja“ zu sagen. Das franz√∂sische „Grande √Čcole“-System ist ein faszinierender Hybrid aus universit√§rem Qualit√§tsanspruch in der Forschung und einer unternehmerischen Dynamik in Lehre und Industrieprojekten. W√§hrend in klassischen Universit√§ten die Kontinuit√§t als Garant f√ľr nachhaltige Forschung gilt, erlaubt das „Grande √Čcole“-System klare Strategien mit Nachdruck zu verfolgen. So kann ich meine Forschungsgruppe viel schneller und zielgerichteter aufbauen. Unser Institut wird also in den kommenden Jahren in den Themen Executive Education, Foresight Benchmarking und Zukunftsexplorationsprojekten von sich h√∂ren lassen.

Zudem bist du Partner der Rohrbeck Heger GmbH in Berlin, welche Unternehmen im Bereich strategische Vorausschau und Innovationsmanagement berät. Wo liegen deiner Meinung nach die Hauptschwierigkeiten in Bezug auf Strategie und Innovationsmanagement?

Ich vergleiche das strategische Innovationsmanagement gerne mit dem Wellenreiten. Beim Wellenreiten geht es einfach gesagt, darum die herannahende Welle zu antizipieren, an der richtigen Stelle zu sein, alle seine F√§higkeiten f√ľr den richtigen Moment vorzubereiten und dann mit vollem Selbstvertrauen los zu paddeln, wenn die Welle anf√§ngt zu brechen. Das dies schwer zu lernen ist, macht die Faszination beim Wellenreiten aus. Genauso verh√§lt es sich mit dem strategischen Innovationsmanagement. Es geht darum die gleichen vier Prozesse bis zur Perfektion zu entwickeln. Erstens, die Wellen der Ver√§nderungen zu antizipieren, zweitens die systematischen Effekte welche die Welle antreiben zu verstehen, drittens die erfolgsnotwendige F√§higkeiten zu entwickeln und dann viertens, Automatismen zu definieren um im richtigen Moment der erste zu sein, der das M√∂glichkeitenfenster nutzt. √Ąhnlich wie der Wellenreiter erst systematisch seine F√§higkeiten entwickelt und dann Wetter, Gezeiten und Uferbeschaffenheit studiert, kann der strategische Innovationsmanager heute auf eine Vielzahl von erprobten Methoden und Tools zur√ľckgreifen, um seine Erfolgswahrscheinlichkeit drastisch zu erh√∂hen. Die drei Hauptschwierigkeiten, die uns immer wieder begegnen sind, das Untersch√§tzen der Aufgabe, die mangelnde Systematik im Vorgehen, und der fehlende lange Atem die Foresightf√§higkeiten kontinuierlich zu entwickeln und zu perfektionieren.

Was findest du am Thema Foresight so spannend?

Foresight ist im Kern ein sch√∂pferischer Prozess. Es geht um die Verbindung von zuk√ľnftigen Technologien, zuk√ľnftigen Kunden, und zuk√ľnftigen M√§rkten. Die sch√∂pferische Kraft entfaltet aber nur dann maximal, wenn es gelingt die intellektuellen und sozialen Prozesse in Einklang zu bringen. Unternehmen auf dieser Reise in die Zukunft zu begleiten ist eine faszinierende und bereichernde Aufgabe, die immer herausfordernd und spannend bleibt.

Inwieweit hat dich die Arbeit als lehrender Professor geprägt?

Fr√ľher als ich noch in der Industrie gearbeitet habe wollte ich immer, dass alles schnell geht. F√ľr mich waren Probleme gel√∂st sobald ich sie intellektuell verstanden und L√∂sungen entwickeln hatte. Das Arbeiten mit Studenten ist immer wieder faszinierend, weil sie sich nicht mit der intellektuellen Erkl√§rung zufriedengeben. Sie hinterfragen das Warum? Wieso sollte ich das wollen? Warum sollte ich mitmachen? Was wird das bringen, f√ľr mich, f√ľr uns, f√ľr unseren Planeten. Am Anfang hat mich die resultierende Langsamkeit verunsichert. Heute genie√üe ich die Herausforderung simultan die intellektuellen und sozialen Prozesse zu gestalten und auch mal freien Lauf zu lassen. Ich arbeite mit meinen Studenten immer wieder gerne direkt mit Unternehmenspartner zusammen. Aktuell zum Beispiel mit zehn f√ľhrenden Unternehmen der Luftfahrtbranche mit denen wir Auswege aus der aktuellen Krise entwickeln. Hierbei genie√üe ich es in den Projekten auf die R√ľckbank Platz zu nehmen und gespannt zuzusehen, wie die Studenten neue Wege gehen ohne sich von der Vergangenheit Beindrucken oder Ausbremsen zu lassen.

Welche Erwartungen hast du an die Jahrestagung 2020 von quer.kraft?

quer.kraft ist ein einzigartiger und faszinierender Zusammenschluss von mittelst√§ndischen Hidden Champions und f√ľhrenden Gro√üunternehmen. Ich freue mich somit auf spannende und gerne auch kontroverse Diskussionen √ľber Sinn und Unsinn von Foresight in Unternehmen sowie auf die Gelegenheit selber neue Impulse aufzunehmen.

 

Wir bedanken uns herzlich bei Ren√© f√ľr das kurze Interview und freuen uns auf seine spannende Keynote an der quer.kraft Jahrestagung am 13. Oktober.
PS: Ihr habt hier weiterhin die M√∂glichkeit euch f√ľr die kommende Jahrestagung anzumelden und live mit ren√© zu diskutieren.

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